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Bilderuhr mit Automat „Der Neptunbrunnen im Schlosspark“

Wiener Bilderuhr mit Automat Der Neptunbrunnen im Schlosspark

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Wien, zweites Viertel 19. Jahrhundert

Gehäuse
Ochsenaugenrahmen blattvergoldet
Werk
Spindelgang, Wiener 4/4-Schlag auf Tonfedern, Tonfedernhalter signiert „M. Miller & Sohn Wien“ Martin Miller (Müller), Wien, Hersteller von Uhrenzubehör (v. a. Aufzugsfedern), 1769 Wien – 1833 St. Ägyd/NÖ, Automat (Springbrunnen) gekoppelt mit dem Schlagwerk, Walzenspielwerk mit einer Melodie, nummeriert „N. 556 7825“
Technik
Öl auf Metall
Maße
61,5 × 77 cm cm

Provenienz: Sammlung Prof. Dr. Hans von Bertele, Wien

Diese bezaubernde Wiener Bilderuhr stammt aus der renommierten Sammlung Prof. Dr. Hans von Bertele und besticht mit einer stimmungsvollen Ansicht eines idealisierten Schlossparks mit Neptunbrunnen.

Die klassizistische Schlossarchitektur schließt an einen mittelalterlich anmutenden Torbau an, in welchen das Zifferblatt integriert ist. Eine große Brücke führt vom Schloss über einen Wasserfall zu einem romantischen Lustgarten, in welchem die gehobene Gesellschaft flaniert und sich zum Gespräch trifft. Hinter der vasenbekrönten niedrigen Parkmauer erstreckt sich eine im Dunst liegende weitläufige Flusslandschaft. Die gesamte Szenerie ist in goldenes Abendlicht getaucht und erinnert an bekannte, durch Wasserspiele bereicherte Parks wie jene der Schlösser Hellbrunn oder Laxenburg.

Den Mittelpunkt des Parks wie auch der Bildkomposition bildet ein Neptunbrunnen, dessen zwei Fontänen zu jeder Viertelstunde durch einen Automaten zum Leben erweckt werden. Die Illusion sprudelnden Wassers entsteht mithilfe zweier bemalter Drehscheiben, die über einen langen Seilzug mit dem Werk verbunden sind und vom Schlagwerk ausgelöst werden.

Der römische Gott Neptun (griech.: Poseidon) ist der Herr des Meeres wie auch aller fließenden Gewässer. Sein wichtigstes Attribut, der Dreizack, wurde in der Antike gerne als Jagdwaffe für den Fischfang eingesetzt. Der Brunnen zeigt neben Delphinen, den Boten des Neptun, auch Meeresnymphen (Nereiden) welche ebenfalls zum Gefolge des Gottes gehören. Die hier dargestellte Brunnenskulptur ist von den zahlreichen Neptunbrunnen inspiriert, welche seit der Renaissance geschaffen wurden, steht aber besonders der Neptunfigur in den arkadengesäumten Fischbecken des Stiftes Kremsmünster (Jakob Prandtauer, Anfang 18. Jahrhundert) nahe.

Das Werk mit Spindelgang ist mit einem Wiener 4/4-Schlag auf Tonfedern versehen. Der Tonfedernhalter ist mit „Martin Miller & Sohn“ gestempelt – einem bekannten, in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts tätigen Wiener Hersteller für Uhrenbestandteile. Ein solcher Stempel ist durchaus eine Seltenheit und Hinweis auf die Authentizität der Werkstechnik dieser Wiener Bilderuhr. Ein Walzenspielwerk mit zwei Melodien rundet dieses uhrmacherische Gesamtkunstwerk ab.