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Museale Kommodenuhr „au bon sauvage“ mit Augenwender

Museale Kommodenuhr au bon sauvage mit Augenwender

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Wien, um 1800

Gehäuse
Lindenholz geschnitzt, gefasst und blattvergoldet, Basis Obstholz ebonisiert, blattvergoldete Zierleiste, gedrückte Alabaster-Kugelfüße
Zifferblatt
Email
Werk
Ankergang, Wiener 4/4-Schlag auf Tonfedern, Repetition, Schlagabstellung, Automat (Augenwender) gekoppelt mit dem Gehwerk
Höhe
63 cm

Das Motiv des Edlen Wilden („le bon sauvage“) entsprang der tiefen Sehnsucht einer zunehmend urbanen europäischen Gesellschaft des 18. Jahrhunderts, einem großen Verlangen nach unberührter Natur, nach Harmonie mit der Schöpfung, einem einfachen Leben, kurzum nach dem verlorenen Paradies. Berühmte Entdecker und die fortschreitende Kolonisierung brachten immer neue Einblicke in unerforschte und exotische Flora, Fauna und Kulturen. Der Reisebericht des Weltumseglers de Bougainvilles (1771), die Schriften des Philosophen Rousseau („Retour à la nature!“) und weltberühmte Romane wie „Robinson Crusoe“ (1719), „Gullivers Reisen“ (1726) und „Paul et Virginie“ (1788) weckten in ihrer meist gehobenen und wohlhabenden Leserschaft das Verlangen nach Exotismen in den eigenen vier Wänden. Die Gehäuseentwürfe „l‘Afrique“ und „l‘Amerique“ des Pariser Bronziers Jean-Simon Deverberie gehörten vermutlich zu den ersten Uhren „au bon sauvage“ und inspirierten die herausragenden Wiener Skulpturenschnitzer zu innovativen Variationen. Der effektvolle Kontrast von dunkelhäutiger Figur zu vergoldeten Gehäuseelementen wurde dagegen in der Donaumetropole selten mithilfe brünierter bzw. feuervergoldeter Bronze erzielt. Hier bevorzugte man meisterlich geschnitztes Lindenholz, teils ebonisiert, teils blattvergoldet. Meist bestanden solche Kommodenuhren aus nur einer Figur. Eine derart reiche figurale Ausstattung, wie sie die abgebildete Skulpturenuhr aufweist, ist höchst selten. Zwei detailreich ausgearbeitete, muskulöse Träger mit Palmblätterröcken, Perlenketten und Federkronen tragen das Werksgehäuse in Form einer in drapierten Stoff gehüllten Sänfte. Auf dieser ruht mit elegant überschlagenen Beinen eine exotische Königin, ebenfalls mit Palmblätterrock, Perlen und Federkrone geschmückt und einen zarten Sonnenschirm haltend. Mit einer Hand stützt sie sich auf einen Bogen mit Köcher. Dies und die würdevolle Körperhaltung der dunkelhäutigen Herrscherin zeigen das europäische Interesse an der Lebensweise und den sozialen Gegebenheiten fremder Erdteile. Die sich mit dem Pendelschlag bewegenden Augen (sog. Augenwender-Automat) verleihen der Königin noch zusätzliche Vitalität. Aufgrund der hohen Qualität der Ausführung und der Seltenheit des figurenreichen Motivs muss ein Auftraggeber aus dem internationalen Hochadel angenommen werden. Dies wird durch den Umstand gestützt, dass sich eine fast idente Skulpturenuhr – vermutlich sogar aus der Hand desselben Meisters – in der Eremitage St. Petersburg befindet.

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