Lilly's Art

Lyrauhr „Apollo vom Belvedere“

Lyrauhr Apollo vom Belvedere Gottlib Müller in Wien

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Wien, um 1800

signiert
„Gottlib Müller in Wien“
Uhrmacher
Gottlieb Müller,
Wien, Bürger 1787
Gehäuse
Bronze teils feuervergoldet, teils patiniert, Bronze-Figurine des Apollo, Marmorsockel
Zifferblatt
Email
Werk
Ankergang, Wiener 4/4-Schlag auf Glocken, Repetition, Schlagabstellung
Höhe
45 cm

„Dieser Apollo übertrifft alle anderen Bilder desselben […]. Ein ewiger Frühling, wie in dem glücklichen Elysien, bekleidet die reizende Männlichkeit vollkommener Jahre mit gefälliger Jugend und spielt mit sanften Zärtlichkeiten auf dem stolzen Gebäude seiner Glieder.“ Johann Joachim Winkelmann, 1764

„Mein ganzes Ich ist erschüttert, das können Sie dencken, Mann, und es fibriert noch viel zu sehr, als daß meine Feder stet zeichnen könnte. Apollo von Belvedere, warum zeigst du dich in deiner Nackheit, daß wir uns der unsrigen schämen müssen?“
Johann Wolfgang von Goethe 1771

Winckelmanns und Goethes leidenschaftliche Beschreibungen des Apollo vom Belvedere verdeutlichen die außerordentliche Stellung, die diese Skulptur in der Antikenrezeption jener Epoche einnahm. Die römische Marmorstatue aus dem 2. Jahrhundert n. Chr. wurde im 15. Jahrhundert in der Villa Kaiser Neros in Anzio entdeckt. Sie entstand nach einem griechischen Bronze-Vorbild aus dem 4. Jahrhundert v. Chr., aller Wahrscheinlichkeit geschaffen vom athenischen Bildhauer Leochares. Seit dem frühen 16. Jahrhundert befindet sich die römische Skulptur im vatikanischen Belvedere, was ihr ihren Beinamen einbrachte.

In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts war die Begeisterung für den Apollo vom Belvedere und seine Wirkung auf die bildende Kunst auf dem Höhepunkt. Aus dieser Hochachtung für das antike Meisterwerk heraus entstand auch die vorliegende prunkvolle Wiener Kommodenuhr aus der Zeit um 1800. Apollo ist hier in Bronze ausgeführt – steht also dem griechischen Original näher als der römischen Marmor-Version. Anders als beim antiken Vorbild schließen sich die Finger der rechten Hand nicht um einen Bogen, sondern um eine feuervergoldete Lyra, eines der wichtigsten Attribute des Gottes der Künste und Anführers der Musen. Das Uhrwerk ist mit dem komplexen Wiener Vierstundenschlag ausgestattet; das Zifferblatt trägt die Signatur des bekannten Wiener Uhrmachers Gottlieb Müller. Diese exquisite frühe Skulpturenuhr ist ein beeindruckendes Gesamtkunstwerk feinster Wiener Uhrmacherkunst und großartig gestalteten klassizistischen Gehäusebaus.