Wien, erstes Viertel 19. Jahrhundert
- signiert
- "Fertbauer in Wien" (signiert auf der Platine)
- Uhrmacher
- Philipp Fertbauer
- Wien, *1763, 1795 Meister, 1805 Schätzmeister, †1820
- Gehäuse
- Gehäuse in Form einer Lyra aus 14 Karat Gold, Vorderseite: grünes und blaues (bleu royal) Email, Perlenbesatz, runde Zifferblattabdeckung mit goldgraviertem Ährenbündel; Rückseite: grünes und blaues Email, goldgravierte Ranken, perlenbesetzt, verglastes und perlenumrandetes „Schallloch“ mit sichtbarer Unruh
- Zifferblatt
- Werk
- Spindelgang mit Kette und Schnecke, Feinregulierung, durchbrochen gearbeitete Unruh-Brücke
- Maße
- 5×3 cm
vgl.: F. Kaltenböck: Die Wiener Uhr, München 1988, S. 54, Abb. 22.
Formuhren sind eine besonders kostbare und phantasievolle Spielart der europäischen Uhrmacher- und Goldschmiedekunst des 18. und des 19. Jahrhunderts. Sie stehen in der langen Tradition der Renaissance-Halsuhren und waren als erlesene Schmuckuhren Fürstenhäusern und dem Adel vorbehalten. Mit Gehäusen aus edlen Materialien, feinstem Dekor und winzigen Uhrwerken waren diese Ührchen Gesamtkunstwerke en miniature. Zumeist als Auftragsarbeiten ausgeführt, konnten sie die unterschiedlichsten Formen aufweisen.
Nur wenige dieser fragilen Preziosen haben die Jahrhunderte überstanden. Umso mehr freuen wir uns, Ihnen mit der vorliegenden Miniaturuhr ein hervorragendes Stück der Wiener Formuhren des frühen Jahrhunderts präsentieren zu können – trägt es doch die Signatur des berühmten Uhrmachermeisters Philipp Fertbauer. Das lyraförmige Gehäuse aus 14 Karat Gold ist mit grünem und blauem Email verziert und mit zahlreichen Perlen besetzt. Unter einer kuppelförmigen Abdeckung mit goldgraviertem Ährenbündel befindet sich das Emailzifferblatt. Das perlenumrandete Schallloch der Lyra erlaubt einen Blick auf die Unruh des zierlichen Uhrwerks.
Philipp Fertbauer gilt als der beste Uhrmacher der österreichischen Monarchie in der Zeit um 1800. Er wurde 1795 Meister, 1804 Obervorsteher der Wiener Großuhrmacher und 1805 Schätzmeister. Seine präzisen Wanduhren waren unverzichtbare Messgeräte für die Sternwarten des Habsburgerreiches, wieetwa die Observatorien von Wien, Kremsmünster und Budapest. Diese exquisite Formuhr mit zartem Miniaturwerk zeugt von Fertbauers herausragendem Können und seinem hohen Qualitätsanspruch.
