Zillertal, um 1800
- Material
- Fichtenholzkorpus, grün gefasst, teils marmoriert, gemaltes Akanthus-Muschelwerk, polychrome Blumenmalerei, Lisenen mit gemalten Kartuschen mit Blüten-Girlanden und Weintrauben, vier Jahreszeitenbilder nach Johannes Esaias Nilson in blattvergoldeten Rokoko-Stil-Rahmen
- Maße
- 183 × 137 (120) × 60 (50) cm
vgl.:
F. Colleselli: Tiroler Bauernmöbel, Innsbruck 1985, S. 101.
Schmidt/A. Müller: Bauernmöbel im Alpenraum, Innsbruck 1982, S. 58.
Schmidt: Bauernmöbel aus Österreich (Kat. Ausst. Schlossmuseum Gobelsburg 1973), Wien 1973, Kat. Nr. 16.
Tiroler Volkskundemuseum, Inv. Nr. 2818 und 1235.
Schlossmuseum Gobelsburg, Inv. Nr. 35.877
Antike Bauernkästen künden von der traditionsreichen Geschichte alpiner Lebenskultur. Sie wurden aus massivem heimischem Holz gefertigt und waren überaus robust, da sie für einen generationenübergreifenden Gebrauch gedacht waren. Die Gestaltung hat stark regionalen Charakter und ist sehr individuell, da es sich nahezu immer um Auftragsarbeiten handelte.
Der vorliegende museale Zillertaler Kasten zeigt viele der typischen Eigenheiten der Arbeiten dieses Tiroler Landstrichs. Charakteristisch ist u.a. die Wahl kräftiger Grundfarben, meist ein sattes Grün oder Blau, ebenso wie die helle Rokoko-Ornamentik. Der gemalte Dekor in Form von Akanthus-Muschelwerk und polychromer Blumenmalerei ist äußerst detailreich. Die schräggestellten Lisenen zieren Kartuschen mit Blüten-Girlanden und Weintrauben. Die Schlagleiste, der Sockel sowie der profilierte Kranz mit Palmettenfries sind marmoriert. Auch die doppelte Rahmung der Türbilder in Form von gemalten wie auch geschnitzten und blattvergoldeten Rocaillen ist ein typisches Detail des Zillertaler Möbelhandwerks.
Die feine Malqualität der vier Jahreszeitengemälde gibt diesen Kasten als ein Stück der Mayrhofener Gruppe zu erkennen. Schränke dieser Zillertaler Region sind bekannt für ihre zarten Malereien, welche sich an internationalen Stilen des 18. Jahrhunderts orientieren. In diesem Fall ließ sich der Tiroler Fassmaler von Monatsbildern des Augsburger Hofmalers Johannes Esaias Nilson (um 1765) inspirieren. Vergleichbar prunkvolle Kästen befinden sich u.a. in den Sammlungen des Tiroler Landesmuseums und des ehem. Schlossmuseums Gobelsburg.
