1793 Wien – 1865 Hinterbrühl/Niederösterreich
- Titel
- „Sonntagsruhe“
- Zeit
- 1859
- signiert
- und datiert links unten "Waldmüller 1859"
- Technik
- Öl auf Holz
- Maße
- 57,5×44,3 cm
abgebildet in:
R. Feuchtmüller: Ferdinand Georg Waldmüller, Wien 1996, S. 516, Kat. Nr. 984.
B. Grimschitz: Ferdinand Georg Waldmüller, Salzburg 1957, S. 359, Kat. Nr. 903.
NÖ Landesmuseum (Hrsg.): Ferdinand Georg Waldmüller (Kat. Ausst. Höldrichsmühle Hinterbrühl, 19. Juni–19. Sept. 1965), Wien 1965, Kat. Nr. 18, Abb. 29.
Der Meister des Genrebildes, gefragter Porträtist eines hochkarätigen, oft adeligen Kundenkreises und herausragender Landschaftsmaler, Ferdinand Georg Waldmüller, gilt heute als bedeutendster Künstler des österreichischen Biedermeier.
Waldmüller war Professor an der Aademie der Bildenden Künste Wien, an welcher er einst selbst studiert hatte. Seine dem Naturstudium und der Freilichtmalerei verpflichtete Kunstauffassung führte jedoch zum Bruch mit der traditionellen Institution und kennzeichnet ihn als frühen Wegbereiter der Moderne. Die Genrebilder seiner reifen Schaffensphase der 1850er Jahre zeigen Waldmüllers geniale Verwendung des Lichts als Gestaltungsmittel. Mit lockerem, gekonntem Pinselstrich erhebt der Maler das Sonnenlicht zum Hauptakteur. Es verleiht den Oberflächen, Objekten und Personen Präsenz und erweckt sie zum Leben.
Neben bürgerlichen Szenen war vor allem das bäuerliche Leben bevorzugtes Thema Waldmüllers. Trotz sozialkritischer Töne zeigt er meist die freudvollen Momente dieser oft harten Existenz, wie etwa Feierabende oder Festtage. Meist sind die Figurengruppen auf wenige Akteure beschränkt, die jedoch umso intensiver Emotionen und die Vielfalt menschlicher Schicksale vermitteln.
Das Gemälde „Sonntagsruhe“ gehört zum wichtigen Themenkreis des „Mutterglücks“ im Oeuvre des Künstlers. Das in die Bauernstube einfallende Sonnenlicht dient Waldmüller dazu, die Figuren von Mutter und Kind plastisch auszuformen, die reliefartige Beschaffenheit des groben Mauerputzes in fast poetischer Weise zu schildern und der Szene eine große Wärme und Innigkeit zu verleihen. Die Schatten im oberen und unteren Bildabschnitt verdeutlichen die Kraft des Lichtes noch zusätzlich. Waldmüllers Meisterschaft in der präzisen Darstellung der Kleidung und der Textilien ist hier ebenso zu erkennen wie die hohe Qualität seiner Stillleben, wie sie sich etwa in Form des gläsernen Milchfläschchens oder des Wiesenblumenstraußes beweist. Die „Sonntagsruhe“ ist ein Meisterwerk Waldmüllers, das uns einen starken Eindruck von Geborgenheit und stillem Glück vermittelt. Im Oeuvre des Meisters gehört es zu den am häufigsten publizierten Werken.
G. Waldmüller war schon zu seinen Lebzeiten ein weit über die Grenzen bekannter Künstler (Ausstellungen 1856 im Buckingham Palace, 1861 in Köln oder 1862 in London). Heute finden wir seine Werke nicht nur in allen bedeutenden Österreichischen Museen, sondern in vielen bedeutenden Sammlungen und Museen der Welt (MetropolitanMuseum of Art, Sammlung Rothschild, Sammlung Fürst Liechtenstein u.v.a.)
